Jungen – die neuen Verlierer unserer Gesellschaft?

So das Thema einer Podiumsdiskussion am 4. Juli, das Männergemeinschaften des VKM ab 14:00 Uhr im Haus der Familie zusammenführte. Unter der These „Jungen laufen Gefahr zu den Verlierern unserer Gesellschaft zu gehören“, diskutierten und berichteten am Podium die niedersächsische Kultusministerin Elisabeth Heister-Neumann MdL, der Leiter der kirchlichen Arbeitsstelle für Männerseelsorge und Männerarbeit in den deutschen Diözesen Dr. Andreas Ruffing, der Leiter der katholischen Grundschule St. Michael in Salzgitter Markus Holfeld und Dipl. Theologe und Erzieher im katholischen Kindergarten St. Michael in Munster Gerd Mühl-Benninghaus. Letzter ist auch Vorsitzender der dortigen Männergemeinschaft und ist somit Mitglied in unserem Verband.
Michael Osann, der Fachdienstleiter der Schulverwaltung in Salzgitter, führte durch diesen Nachmittag in einer sehr herzlichen, offenen und erfrischenden Art. Gleich mit Eröffnung der ersten Fragerunde wendet er sich an die Kultusministerin Elisabeth Heister-Neumann MdL mit der Frage: Ob Sie froh darüber sei, anstatt zweiter Söhne zwei Töchter bekommen zu haben. Diese erwidert humorvoll, dass sie sehr froh über die Mädchen sei, aber sich genauso freuen würde, wenn es Jungen oder auch ein Junge und ein Mädchen gewesen wäre.

Am Anfang dieser Diskussion stehen Fakten und Statistiken im Mittelpunkt. So habe sich der Anteil von Mädchen und Jungen, die weiterführende Schulen besuchen, in den vergangenen zwanzig Jahren nicht verändert. Fest steht aber auch: Jungs werden später eingeschult, brechen häufiger die Schule ab und machen schlechtere Abschlüsse, so die Kultusministerin.
Still sitzen, zuhören und Regeln einhalten, ist für Jungen oftmals schwieriger als für Mädchen. Sie rangeln miteinander, schubsen sich, boxen sich an oder nehmen sich in den Schwitzkasten: Jungs ticken offenbar anders als Mädchen.
Dr. Andreas Ruffing sieht auch ein Problem im Elternhaus. „Väter sind ein Teil des Problems, aber Väter sind auch Teil der Lösung.“ Männer müssen präsent sein, qualitativ anwesend und wenn dies ausbleibe, etwa durch familienfeindliche Arbeitszeiten oder getrennte Partnerschaften komme es zu einer „Unterväterung“. Dies treffe aber nicht nur für Jungen, sondern auch für Mädchen in diesem Alter zu.
Schulleiter Markus Holfeld und Erzieher Gerd Mühl-Benninghaus ergänzen mit ihren Erfahrungen und berichten darüber, das Jungen nicht aufgrund von mangelnder Intelligenz auffallen, sondern durch ihr Verhalten. Jungen sind mehr Einzelkämpfer, stecken gern ihr Revier ab und haben einen anderen Umgangston. Ihnen fehlt es an männlichen Identifikationsfiguren. So gibt es leider viel zu wenig männliche Grundschullehrer und erst recht männliche Erzieher in den Kindertagesstätten. Gesellschaftsbedingt werden Jungen und Mädchen heute fast nur von Frauen erzogen. Jungen und Mädchen sollten von Kindesbeinen an sowohl männliche als auch weibliche Bezugspersonen haben.
Das weniger Männer den Beruf eines Grundschullehrers ergreifen, könne nicht allein auf die Bezahlung zurückgeführt werden, so Markus Holfeld. Leider werden typische Frauenberufe, wie in sozialen Einrichtungen oder in der Erziehung schlechter bezahlt als typische Männerberufe. Ein viel schwierigeres Problem sei die Stellung, das Ansehen in der Gesellschaft. So gebe es leider häufig noch das Bild, das männliche Grundschullehrer „Weicheier“ seien, von Erziehern in Kindergärten oder Krippen ganz zu schweigen.

Gerd Mühl-Benninghaus forderte Politik und Gesellschaft auf, endlich für bessere Bedingungen für Kinder und Erzieherinnen zu sorgen. Es sei allerhöchste Zeit für mehr Investitionen -von Wirtschaft und Politik- in die frühkindliche Bildung und Erziehung zu stecken. Natürlich steht die Pflicht und auch das Recht der Familie immer an erster Stelle.
Er schlägt den anwesenden Männern und Großvätern vor, einen Sozialpartner- oder Patenschaft zu übernehmen und von Zeit zu Zeit beispielsweise Kindertagesstätten aufzusuchen und dort zu lesen und Geschichten zu erzählen.
Diese Gedanken wurden im Laufe des Nachmittags vom Podium aufgegriffen und es gab zahlreiche Ideen, wie neben der politischen Verantwortung auch wir als Verband bzw. als Einzelpersonen dem „Männermangel“ in wesentlichen Teilen unser Gesellschaft etwas entgegen zu setzen. Im bürgerlichen Ehrenamt können beispielsweise Fahrradreparaturen, Fußball, Klettern bzw. die Erfahrung in der Natur, durch männliche Vorbilder, Orientierung und auch Unterstützung bei der frühkindlichen Erziehung/Bildung die soziale Intelligenz fördern.

Gute Väterlichkeit bzw. Großväterlichkeit ist auch gesellschaftlicher Auftrag und kann eine Bereicherung für jeden Mann sein.

Jungen die neuen Verlierer unserer Gesellschaft?

Kultusministerin Elisabeth Heister-Neumann MdL Diözesanvorsitzender Wolfgang Jainta begrüßt alle Anwesenden v.li. Moderator Michael Osann und die Kultusministerin v.li. Gerd Mühl-Bennighaus (Erzieher - Munster) und Markus Holfeld (Schulleiter - Salzgitter) v.r. Dr. Andreas Ruffing (Fulda), Ministerin E. Heister-Neumann MdL und M. Osann Kultusministerin im Gespräch mit dem Diözesanvorsitzenden Ministerin E. Heister-Neumann MdL, Fachdienstleiter der Schulverwaltung M. Osann und Leiter der Arbeitsstelle der kath. Männerarbeit Dr. A. Ruffing
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Kultusministerin Elisabeth Heister-Neumann MdL