Stationen seines Lebens
"Pater Rupert Mayer gehört zu den markanten Priestergestalten der ersten Hälfte unseres Jahrhunderts.
Seine männliche Frömmigkeit und Gläubigkeit bleiben unvergessen: Auch im Sterben ist er nicht umgefallen - er starb stehend, während er predigte; seine letzten Worte waren:
Der Herr, der Herr ...
So ist dieses Sterben Ausdruck seines aufrechten, auf den Herrn hin gerichteten Lebens geworden.
Was die Menschen von heute an ihm besonders beeindruckt, ist zum einen sein rastloser Einsatz für die Mitmenschen, die täglich gelebte "Mitmenschlichkeit", die sich von Gott her für die Nöte des irdischen Alltags aufwecken lässt; zum anderen seine unbeugsame Klarheit gegenüber der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft. So muss aber die Frage aufstehen:
Aus welcher Wurzel kam dies alles? Wie dachte, wie glaubte ein Mann, der so zu sehen und so zu handeln vermochte?"
Joseph Kardinal Ratzinger
"Wie kommt es, dass Pater Rupert Mayer dreißig Jahre nach seinem Tode eine solch lebendige Wirklichkeit ist, ein solch zündendes Vorbild, ein solch begeisterndes Ideal christlich-katholischen Glaubens?" so hatte der Generalpostulator für die Seligsprechung, 1975 bei einer Gedenkfeier gefragt. Seine Antwort bleibt immer noch gültig: Pater Rupert Mayer war ein wirklicher Mann, "der Prinzipien hatte und nach ihnen lebte; der unbeirrt und gerade seinen Weg ging; der die Wahrheit liebte und für sie eintrat; der Recht Recht und Unrecht Unrecht nannte und der sich nicht scheute, für seine Überzeugung auch schwerste Opfer zu bringen.
Die stille Vereinigung mit Gott war für Pater Rupert Mayer die Quelle seiner nie versiegenden Bereitschaft, allen in Liebe zu dienen.
Einige Lebensdaten:
23.Januar 1876 Geboren in Stuttgart
1894 - 1898 Studium der Theologie an den Universitäten Freiburg/Schweiz, München und Tübingen
2.Mai 1899 Priesterweihe in Rottenburg
1.Oktober 1900 Beginn des Noviziats in der Gesellschaft Jesu
1906 - 1911 Volksmissionar in Holland, Deutschland, Österreich, Schweiz
1912 Seelsorger für "Zuwanderer" in München
1914 Mitbegründer der "Schwestern von der Heiligen Familie"
1914 - 1917 Soldatenseelsorger
30.Dezember 1916 Schwere Verwundung im Sultatal, Amputation des linken Beines
1921 Präses Marianischen Männerkongregation in München
1933 - 1938 P. Rupert Mayer verteidigt in mutigen Predigten die Kirche gegen die wachsenden Angriffe des Nationalsozialismus
1937 Erste Verhaftung in München und Redeverbot für das ganze Reichsgebiet, außer in St. Michael
5.Januar 1938 Erneute Verhaftung in München
15.Januar - 3.Mai 1938 Gefängnis in Landsberg
3.Mai 1939 Verhaftung in München
23.Dezember 1939 bis 7.August 1940 KZ Sachsenhausen
8.August 1940 bis Zwangsinternierung im Kloster Ettal
6.August 1945 Aufruf zu Werken des Friedens und zur Mitarbeit am Neuaufbau
1.November 1945 Gestorben in München. Am Morgen des Allerheiligentages wird er während der Feier der heiligen Messe in der Kreuzkapelle vom Schlag ereilt.
3.Mai 1987 Seligsprechung durch Papst Johannes Paul II. im Olympiastadion in München
Als kirchlicher Gedenktag des Seligen wird der 3. November bestimmt.